Rundholzmarkt 2026/2027: Eine Einschätzung aus der Praxis

Carlo Aegerter ist Holzhändler bei Fritz Aegerter AG und Vorstandsmitglied beim HWS

Als Rundholzhändler verstehen wir uns als Bindeglied und Dienstleister in der Wertschöpfungskette vom Wald zum Werk.
Wir führen die Rundhölzer, die die Schweizer Waldwirtschaft produziert, per LKW und Bahnwagen ihrer Weiterverarbeitung zu.
Dabei stellen wir im Privatwald, wie auch im öffentlichen Wald fest, dass weniger Nadelholz bereitgestellt als nachgefragt wird. Zwar gibt es Schweizer Grosssägewerke, die die Situation anders beurteilen. Jedoch wird sich aus unserer Sicht der generelle Nadelholz-Mangel, den wir diese Saison in ganz Europa beobachtet haben, fortsetzen und weiter zuspitzen. Laubsägeholz wird aber im Ausland verarbeitet. Aus unserer Perspektive ist es unrealistisch, dass dies in der Schweiz im grösseren Stil stattfinden kann.

In Europa sowie teilweise in Asien gibt es einen funktionierenden Absatz für diverse europäische Laubsägehölzer. Bei Schweizer Verarbeitern sehen wir einen Konkurrenz- und Preisdruck, insbesondere durch Produkte aus Österreich und Deutschland. Dementsprechend ist es für die Werke nicht einfach, die verlangten Rundholzpreise zu bezahlen. Sie müssen ihre Rohstoffversorgung sicherstellen und gleichzeitig international konkurrenzfähig bleiben. Bei der Schweizer Waldwirtschaft beobachten wir einen starken Fokus auf Laubholz und Energieholz. Dies steht im Widerspruch zu den Interessen der Holzindustrie.

Gleichzeitig wird über anhaltend tiefe Holzpreise geklagt. Wir sind der Meinung, dass sich die Schweizer Waldwirtschaft wieder an den Bedürfnissen der Verarbeiter orientieren sollte. Das Kredo lautet: «Zur richtigen Zeit in der gefragten Qualität an den richtigen Ort.» Es bedeutet gezieltes Planen und Produzieren, wobei der Zeitfaktor für den Wert des Rundholzes, als verderblicher Rohstoff, massgebend ist.

Würde die Waldwirtschaft eine solche Ausrichtung anstreben, könnte sie nach unserer Einschätzung in bestimmten Monaten des Jahres einen preislichen Mehrwert von 10.- bis 20.- CHF pro m3 erzielen. Die Dynamik der Schweizer Waldwirtschaft unterscheidet sich massiv von jener der Holzindustrie.Während die verarbeitenden Werke sehr schnell und flexibel auf die internationale Holzmarktsituation reagieren müssen, bleibt die Waldwirtschaft national und lokal ausgerichtet, bei langsamen Produktionsprozessen.

Wir stellen fest, dass sich zwischen Energie-, Industrie- und Sägeholzabnehmern ein Konkurrenzkampf um den Rohstoff abzeichnet. Energieholz ist längst kein Nebenprodukt mehr für die Forstbetriebe, Forstunternehmen und Privatwaldbesitzenden. Der Energieholzmarkt bietet der Waldwirtschaft einen sicheren Absatz bei geringen Sortierungs- und Logistikkosten.

Er wirkt sich auf den gesamten Rundholzmarkt aus. Preislich drückt das Energieholz von unten (D-Qualität) nach oben (BC-Qualität) und beeinflusst damit die Preise für Sägeholz. Das Aegerter-Team ist der Ansicht, dass Angebot und Nachfrage in der Wertschöpfungskette vom Wald zum Werk näher zusammengebracht werden sollten. Planbarkeit und Versorgungssicherheit für die Holzindustrie müssen besser werden.

Dabei spielt die Rundholz-Logistik eine zentrale Rolle. Wir beobachten fehlende Kapazitäten im Güterverkehr bei gleichzeitiger Überlastung der Strassen und sehen hier einen grossen Engpass. Die Bahn würde es erlauben, grössere Rundholzmengen über weite Strecken im In- und Ausland ökonomisch und ökologisch effizient zu transportieren. Bis vor einigen Jahren war das mit SBB Cargo möglich. Heute brauchen wir in der Schweiz neue Partner, die solche Transporte zuverlässig, zu konkurrenzfähigen Preisen übernehmen können.

Zusammenfassend ergeben sich aus Sicht des Aegerter-Teams zwei wichtige Knackpunkte für die Rundholzsituation 2026 / 2027: Die Nadelholz-Versorgung und eine funktionierende Rundholz-Logistik auf Schiene und Strasse. Als Bindeglied zwischen Wald und Werk ist es das Ziel der Fritz Aegerter AG, diese Situation mit unseren Partnern in der Wertschöpfungskette bestmöglich zu meistern.

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