HWS Interview Unternehmensentwicklung

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Die Blogserie "HWS Innovation Impuls" beleuchtet Themen rund um die Innovation im Holzwerkstoffhandel. Mit einem Blick von aussen geben Experten zu spezifischen Themen Denkanstösse und Inspirationen für die Weiterentwicklung der Branche.

Interview @André Fischer , Unternehmensentwicklung | Projektleiter Innovationspreis HWS 2022

«Innovation bringt ökologische und wirtschaftliche Ziele in Einklang»

Welche Chancen bieten die Themen Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit dem Holzwerkstoff-Handel in der Innovationsentwicklung? Im Experten-Interview mit der Berner Fachhochschule BFH geht der Verband Holzwerkstoffe Schweiz (HWS) dieser Frage auf den Grund. Die BFH ist an der HWS-Branchenmesse Meet-In am 4. Mai 2022 mit einem Fachreferat zu diesen Themen zu Gast.

Innovation im Kontext Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft gewinnt für Holzwerkstoffe stark an Bedeutung. Mit welchen Trends setzt sich diesbezüglich die BFH aktuell auseinander?

Heiko Thömen: Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft bilden innerhalb des Departements Architektur, Holz und Bau (AHB) der BFH den interdisziplinären Schwerpunkt in Forschung und Lehre. Auf Stufe Master Wood Technology, Bachelor Holztechnik und Techniker/in HF Holztechnik behandeln wir beispielsweise Themen wie Ecodesign, Biobasierte Werkstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen oder Lifecycle-Analyse. Ab Herbst lanciert die BFH zudem den departmentsübergreifenden Masterstudiengang «Circular Innovation and Sustainability». Die AHB und hier insbesondere der Fachbereich Holz sind hier stark involviert.

Thomas Volkmer: In den Themen Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit zeigt sich sehr gut die Verbindung von Forschung und Lehre mit konkreten praxisrelevanten Inhalten. Ein Forschungs-Schwerpunkt bildet die Reduktion von Emissionen von Holzwerkstoffen. 

Können Sie diesbezüglich Beispiele für Lösungen nennen welche die BFH aktuell erforscht?

Thomas Volkmer: Gerne. Wir forschen an Klebstoff-Systemen für den Einsatz als Bindemittel in Holzwerkstoffen oder für konstruktive Anwendungen im Holzbau. Ein wesentliches Ziel ist es die Emissionen während der Verarbeitung und der Nutzung zu senken. Neben Nachhaltigkeit geht es hier auch um Gesundheit und Wohnraumqualität. Ferner bildet die Verwertung von Restholz und Holzsortimenten wie Holzrinde, Kleinstäste oder Nadeln ein weiterer Forschungsbereich. Für diese Rohstoffe gab es bislang kaum eine wertschöpfende Verwendung. Hier geht es einerseits um die Schonung und andererseits um die effiziente Nutzung der Ressource Holz. Besonders spannend: Neben der Anwendung für konstruktive Elemente für den Bau geht es neu auch darum, das Potential für chemische Anwendungen in der Entwicklung von Klebstoffen und Lacken zu erschliessen. Und dies immer mit dem Ziel, Holz aus einheimischen Wäldern auf allen Ebenen ressourceneffizient einzusetzen. Restholz soll nicht mehr direkt verbrannt, sondern dessen Lebenszyklus durch eine Zwischennutzung in einem Produkt verlängert werden. Hier liegt in der Zukunft noch viel Potential.

Heiko Thömen: Dem stimme ich zu. Die Kreislauffähigkeit von Produkten muss im Holzbereich deutlich besser werden. Hier müssen wir ehrlich sein und eingestehen, dass zum Beispiel Metalle noch deutlich im Vorteil sind. Im Bereich der Holzwerkstoffe ist die Spanplatte im Massenmarkt noch praktisch das einzige Produkt, welches grössere Mengen an Altholz aufnehmen kann. Es geht in den nächsten Jahren darum neue Kreisläufe für weitere Produkte wie Holz-Faserplatten zu schaffen.

Wo orten Sie im Kontext Nachhaltigkeit die zentralen Innovations-Treiber im Marktumfeld?

Thomas Volkmer: Wir beobachten wie die Unternehmen zunehmend realisieren, dass das ökologische Bewusstsein der Bevölkerung und somit der Kunden steigt. Kunden erwarten Nachhaltigkeit und fragen somit vermehrt nachhaltige Produkte und Gebäude nach.  Und das führt wiederum zu einem Innovationsschub. Ökologie und Regionalität sind heute immer wichtigere Argumente für das Marketing.

Heiko Thömen: Ich nehme wahr, dass Ökologie von der Generation Y und Z zunehmend als Problemlösung und nicht als Lifestyle begriffen wird. Kunden wollen verstärkt kennzahlenbasierte Entscheidungen treffen. Neben dem guten Gefühl wollen sie nachvollziehbare ökologische Bewertungen in ihrem Entscheidungsprozess hinzuziehen können. Baue ich ein Holzhaus oder setze ich auf Massivbau? Das müssen Bauherrschaften aufgrund objektiver Zahlen entscheiden können. Dafür braucht es in Zukunft verständlichere und stärker standardisierte Labels. 

Welche Rolle spielen Mitbewerber als Innovationstreiber?

Thomas Volkmer: Eine sehr grosse! Es läuft seit mehreren Jahren ein intensiver Konkurrenzkampf zwischen den Baumaterialien. Die Konkurrenz mit dem Massivbau treibt die Innovation im Holzwerkstoff-Bereich und Holzbau stark voran. Ein Beispiel dafür sind Holzhochhäuser; vor ein paar Jahren war das noch fast undenkbar. Jetzt sind diese Realität. Dieser Konkurrenz-Kampf wird sich in Zukunft wohl noch zusätzlich verschärfen. Einerseits infolge des Preisdruckes und anderseits aufgrund von innovativen Alternativen zu Holzwerkstoffen wie beispielsweise Woodplastic Composites im Terrassenbereich.

Birgit Neubauer Letsch: Ich beobachte auch, dass die Mitarbeitenden in den Unternehmen Innovation vorantreiben. Sie lernen hier an der BFH was alles mit Holz möglich ist und tragen diese Erkenntnisse in die Unternehmen. Sie übernehmen so eine wichtige Sensibilisierungsfunktion.

Lassen sich in Zukunft ökologische und ökonomische Ziele durch Innovation noch besser vereinen?

Thomas Volkmer: Die Vereinbarkeit dieser beiden Ziele ist verpflichtend. Eine getrennte Betrachtung wird nicht mehr funktionieren. Innovation bildet also das vereinende Element. Aktuelle Rückmeldungen aus der Industrie bestätigen dies. Sie zeigen, dass Kunden bereit sind einen höheren Preis zu bezahlen, wenn das Produkt ihnen einen sinnvollen Mehrwert bietet. Somit ist es für Unternehmen eine Chance ökologische Notwendigkeit mit guten Produkteigenschaften zu verbinden, um ein Produkt am Markt preislich höher positionieren zu können. 

Heiko Thömen: Neben dem Kunden ist aber auch die Politik gefordert. Denn wenn wir wieder auf das Beispiel der Spanplatte zurückkommen, stellen wir heute fest, dass Kunden noch nicht bereit sind, mehr zu bezahlen, nur weil in der Spanplatte Recyclingholz enthalten ist. Auch deshalb nicht, weil der Kunde das verbaute Produkt ja oft gar nicht visuell wahrnimmt. Fakt ist: Die Umweltkosten müssen in solche Produkte eingepreist sein. Der freie Markt wird dieses nicht allein bewältigen. Deshalb braucht es reglementarische Vorgaben, aber auch Innovation, um diese ökologischen und ökonomischen Herausforderungen anzugehen. Hier sind wir von der Wissenschaft gemeinsam mit den Unternehmen gefordert Lösungen zu finden.

Wo orten Sie für den Handel mit Holzwerkstoffen diesbezüglich Chancen und Risiken?

Thomas Volkmer: Eine konkrete Chance könnte sich für Handels-Unternehmen im Bereich des Verpackungsmaterials bieten. Von der Bereitstellung auf der Baustelle bis zur Entsorgung und dem Recycling – hier könnten Handels-Unternehmen mit innovativen Lösungs-Ansätzen punkten. Mit dem Blick auf die Schweiz und Europa orte ich Risiken im zunehmenden Fachkräfte-Mangel. Denn Innovation führt vermehrt zu einer Entwicklung Richtung Hightech. Das führt zu noch höheren Anforderungen an die Rekrutierung und die Entwicklung von Mitarbeitenden. 

Birgit Neubauer Letsch: Der Holzwerkstoff bietet meines Erachtens hinsichtlich Fachkräftemangel aber auch Chancen. Denn wir beobachten vermehrt in unseren Kursen für Holzfachleute, dass die Teilnehmenden ursprünglich aus anderen Handels-Branchen stammen und mit der Weiterbildung in die Holzwerkstoff-Branche wechseln. Sie erkennen die Chancen der höheren Nachhaltigkeit der Produkte. Das kann die Attraktivität für kompetente Quereinsteiger erhöhen und ist insofern auch eine Chance für die Branche, weil neben der Handels-Funktion die Fachberatung noch wichtiger wird. Unternehmen müssen hier mit topausgebildeten Mitarbeitenden einen differenzierenden Mehrwert bieten können. Der Aus- und Weiterbildungsbereich wird darum auch Zukunft ein zentraler Erfolgsfaktor bleiben. 

Bildlegende: Thomas Volkmer, Referent am Meet-In 4. Mai 2022

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