Gerne finden Sie hier einen Flyer der VSSM-Fachanlässe in den Sprachen DE und IT zum herunterladen. Darin finden Sie die Informationen zum Programm und die Durchführungsorte. Verband Holzwerkstoffe Schweiz tritt als Partner und Sponsor auf.

Flyer Fachanlässe DE

Flyer Fachanlässe IT

Hier geht es zur Webseite von VSSM: https://www.vssm.ch/

HWS-Innovationspreis 2022 - Anmeldeschluss ist bereits diesen Freitag! Senden Sie uns jetzt noch Ihre Idee oder Umsetzung zum Thema Innovation und nehmen Sie zusammen mit Ihrem Team am Wettbewerb teil.

Weitere Informationen finden Sie hier:
Link zur Website

Die Blogserie "HWS Innovation Impuls" beleuchtet Themen rund um die Innovation im Holzwerkstoffhandel. Mit einem Blick von aussen geben Experten zu spezifischen Themen Denkanstösse und Inspirationen für die Weiterentwicklung der Branche.

Interview @André Fischer , Unternehmensentwicklung | Projektleiter Innovationspreis HWS 2022

«Innovation bringt ökologische und wirtschaftliche Ziele in Einklang»

Welche Chancen bieten die Themen Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit dem Holzwerkstoff-Handel in der Innovationsentwicklung? Im Experten-Interview mit der Berner Fachhochschule BFH geht der Verband Holzwerkstoffe Schweiz (HWS) dieser Frage auf den Grund. Die BFH ist an der HWS-Branchenmesse Meet-In am 4. Mai 2022 mit einem Fachreferat zu diesen Themen zu Gast.

Innovation im Kontext Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft gewinnt für Holzwerkstoffe stark an Bedeutung. Mit welchen Trends setzt sich diesbezüglich die BFH aktuell auseinander?

Heiko Thömen: Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft bilden innerhalb des Departements Architektur, Holz und Bau (AHB) der BFH den interdisziplinären Schwerpunkt in Forschung und Lehre. Auf Stufe Master Wood Technology, Bachelor Holztechnik und Techniker/in HF Holztechnik behandeln wir beispielsweise Themen wie Ecodesign, Biobasierte Werkstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen oder Lifecycle-Analyse. Ab Herbst lanciert die BFH zudem den departmentsübergreifenden Masterstudiengang «Circular Innovation and Sustainability». Die AHB und hier insbesondere der Fachbereich Holz sind hier stark involviert.

Thomas Volkmer: In den Themen Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit zeigt sich sehr gut die Verbindung von Forschung und Lehre mit konkreten praxisrelevanten Inhalten. Ein Forschungs-Schwerpunkt bildet die Reduktion von Emissionen von Holzwerkstoffen. 

Können Sie diesbezüglich Beispiele für Lösungen nennen welche die BFH aktuell erforscht?

Thomas Volkmer: Gerne. Wir forschen an Klebstoff-Systemen für den Einsatz als Bindemittel in Holzwerkstoffen oder für konstruktive Anwendungen im Holzbau. Ein wesentliches Ziel ist es die Emissionen während der Verarbeitung und der Nutzung zu senken. Neben Nachhaltigkeit geht es hier auch um Gesundheit und Wohnraumqualität. Ferner bildet die Verwertung von Restholz und Holzsortimenten wie Holzrinde, Kleinstäste oder Nadeln ein weiterer Forschungsbereich. Für diese Rohstoffe gab es bislang kaum eine wertschöpfende Verwendung. Hier geht es einerseits um die Schonung und andererseits um die effiziente Nutzung der Ressource Holz. Besonders spannend: Neben der Anwendung für konstruktive Elemente für den Bau geht es neu auch darum, das Potential für chemische Anwendungen in der Entwicklung von Klebstoffen und Lacken zu erschliessen. Und dies immer mit dem Ziel, Holz aus einheimischen Wäldern auf allen Ebenen ressourceneffizient einzusetzen. Restholz soll nicht mehr direkt verbrannt, sondern dessen Lebenszyklus durch eine Zwischennutzung in einem Produkt verlängert werden. Hier liegt in der Zukunft noch viel Potential.

Heiko Thömen: Dem stimme ich zu. Die Kreislauffähigkeit von Produkten muss im Holzbereich deutlich besser werden. Hier müssen wir ehrlich sein und eingestehen, dass zum Beispiel Metalle noch deutlich im Vorteil sind. Im Bereich der Holzwerkstoffe ist die Spanplatte im Massenmarkt noch praktisch das einzige Produkt, welches grössere Mengen an Altholz aufnehmen kann. Es geht in den nächsten Jahren darum neue Kreisläufe für weitere Produkte wie Holz-Faserplatten zu schaffen.

Wo orten Sie im Kontext Nachhaltigkeit die zentralen Innovations-Treiber im Marktumfeld?

Thomas Volkmer: Wir beobachten wie die Unternehmen zunehmend realisieren, dass das ökologische Bewusstsein der Bevölkerung und somit der Kunden steigt. Kunden erwarten Nachhaltigkeit und fragen somit vermehrt nachhaltige Produkte und Gebäude nach.  Und das führt wiederum zu einem Innovationsschub. Ökologie und Regionalität sind heute immer wichtigere Argumente für das Marketing.

Heiko Thömen: Ich nehme wahr, dass Ökologie von der Generation Y und Z zunehmend als Problemlösung und nicht als Lifestyle begriffen wird. Kunden wollen verstärkt kennzahlenbasierte Entscheidungen treffen. Neben dem guten Gefühl wollen sie nachvollziehbare ökologische Bewertungen in ihrem Entscheidungsprozess hinzuziehen können. Baue ich ein Holzhaus oder setze ich auf Massivbau? Das müssen Bauherrschaften aufgrund objektiver Zahlen entscheiden können. Dafür braucht es in Zukunft verständlichere und stärker standardisierte Labels. 

Welche Rolle spielen Mitbewerber als Innovationstreiber?

Thomas Volkmer: Eine sehr grosse! Es läuft seit mehreren Jahren ein intensiver Konkurrenzkampf zwischen den Baumaterialien. Die Konkurrenz mit dem Massivbau treibt die Innovation im Holzwerkstoff-Bereich und Holzbau stark voran. Ein Beispiel dafür sind Holzhochhäuser; vor ein paar Jahren war das noch fast undenkbar. Jetzt sind diese Realität. Dieser Konkurrenz-Kampf wird sich in Zukunft wohl noch zusätzlich verschärfen. Einerseits infolge des Preisdruckes und anderseits aufgrund von innovativen Alternativen zu Holzwerkstoffen wie beispielsweise Woodplastic Composites im Terrassenbereich.

Birgit Neubauer Letsch: Ich beobachte auch, dass die Mitarbeitenden in den Unternehmen Innovation vorantreiben. Sie lernen hier an der BFH was alles mit Holz möglich ist und tragen diese Erkenntnisse in die Unternehmen. Sie übernehmen so eine wichtige Sensibilisierungsfunktion.

Lassen sich in Zukunft ökologische und ökonomische Ziele durch Innovation noch besser vereinen?

Thomas Volkmer: Die Vereinbarkeit dieser beiden Ziele ist verpflichtend. Eine getrennte Betrachtung wird nicht mehr funktionieren. Innovation bildet also das vereinende Element. Aktuelle Rückmeldungen aus der Industrie bestätigen dies. Sie zeigen, dass Kunden bereit sind einen höheren Preis zu bezahlen, wenn das Produkt ihnen einen sinnvollen Mehrwert bietet. Somit ist es für Unternehmen eine Chance ökologische Notwendigkeit mit guten Produkteigenschaften zu verbinden, um ein Produkt am Markt preislich höher positionieren zu können. 

Heiko Thömen: Neben dem Kunden ist aber auch die Politik gefordert. Denn wenn wir wieder auf das Beispiel der Spanplatte zurückkommen, stellen wir heute fest, dass Kunden noch nicht bereit sind, mehr zu bezahlen, nur weil in der Spanplatte Recyclingholz enthalten ist. Auch deshalb nicht, weil der Kunde das verbaute Produkt ja oft gar nicht visuell wahrnimmt. Fakt ist: Die Umweltkosten müssen in solche Produkte eingepreist sein. Der freie Markt wird dieses nicht allein bewältigen. Deshalb braucht es reglementarische Vorgaben, aber auch Innovation, um diese ökologischen und ökonomischen Herausforderungen anzugehen. Hier sind wir von der Wissenschaft gemeinsam mit den Unternehmen gefordert Lösungen zu finden.

Wo orten Sie für den Handel mit Holzwerkstoffen diesbezüglich Chancen und Risiken?

Thomas Volkmer: Eine konkrete Chance könnte sich für Handels-Unternehmen im Bereich des Verpackungsmaterials bieten. Von der Bereitstellung auf der Baustelle bis zur Entsorgung und dem Recycling – hier könnten Handels-Unternehmen mit innovativen Lösungs-Ansätzen punkten. Mit dem Blick auf die Schweiz und Europa orte ich Risiken im zunehmenden Fachkräfte-Mangel. Denn Innovation führt vermehrt zu einer Entwicklung Richtung Hightech. Das führt zu noch höheren Anforderungen an die Rekrutierung und die Entwicklung von Mitarbeitenden. 

Birgit Neubauer Letsch: Der Holzwerkstoff bietet meines Erachtens hinsichtlich Fachkräftemangel aber auch Chancen. Denn wir beobachten vermehrt in unseren Kursen für Holzfachleute, dass die Teilnehmenden ursprünglich aus anderen Handels-Branchen stammen und mit der Weiterbildung in die Holzwerkstoff-Branche wechseln. Sie erkennen die Chancen der höheren Nachhaltigkeit der Produkte. Das kann die Attraktivität für kompetente Quereinsteiger erhöhen und ist insofern auch eine Chance für die Branche, weil neben der Handels-Funktion die Fachberatung noch wichtiger wird. Unternehmen müssen hier mit topausgebildeten Mitarbeitenden einen differenzierenden Mehrwert bieten können. Der Aus- und Weiterbildungsbereich wird darum auch Zukunft ein zentraler Erfolgsfaktor bleiben. 

Bildlegende: Thomas Volkmer, Referent am Meet-In 4. Mai 2022

HWS Innovationspreis 2022 – Bewerben Sie sich jetzt

Zum ersten Mal vergibt der HWS einen Branchen-Innovationspreis. Der HWS würdigt die Entwicklung und Umsetzung von Innovationen in den Bereichen Produkt- und Service-Innovationen, Prozess-Verfahrensinnovationen, Geschäftsmodelinnovation sowie Management- und Organisationsinnovationen. Weil Innovation Teamwork ist, richtet sich die Auszeichnung an Ihre im Innovationsprozess involvierten Mitarbeitenden.

Bewerben Sie sich jetzt mit Ihrem Team um den mit CHF 5'000 dotierten Preis. Weitere Informationen finden Sie hier:

Verlinkung auf Website

In der Blogserie «HWS Innovation Impuls» werden Themen rund um das Thema Innovation im Holzwerkstoff-Handel beleuchtet. Mit dem Blick von aussen geben Experten zu spezifischen Themen Denkanstösse und Inspiration zur Weiterentwicklung der Branche.

Interview von André Fischer, Unternehmensentwicklung | Projektleiter HWS Innovationspreis 2022

«Die zukünftigen Mitbewerber für den Handel sind Business Ökosysteme aus anderen Branchen».

Ivo Lenherr ist Unternehmer und Innovator der Schweizer Bau- und Immobilienbranche der ersten Stunde. Als Architekt und Verwaltungsrat von verschiedenen Firmen und Startups setzt er sich mit dem digitalen Wandel und neuen Geschäftsmodellen auseinander. Ein besonderes Augenmerk legt er dabei auf die zukünftige Rolle des Handels. Zu seinen Kunden zählen sowohl KMU wie auch Tech-Giganten. Er hat bei der Realisierung zahlreicher Holzbau-Projekte mitgewirkt und bringt langjährige Erfahrung in der Verwendung von Holzwerkstoffen mit. Im Interview erklärt Ivo Lenherr, warum die aktuellen Geschäftsmodelle des Holzwerkstoff-Handels in der Zukunft sich wohl stark verändern müssen. Und er zeigt mögliche Wege auf, wie der Handel mit Business-Ökosystemen und weiteren neuen Lösungs-Ansätzen wettbewerbsfähig bleiben kann.

Teil 2

Wo wird die digitale Unterstützung im Handel mit Holzwerkstoffen in Zukunft aus Sicht der Kunden noch relevanter?
Hier sehe ich vier Kernbereiche: Erstens bei der Beschaffung der richtigen Werkstoffe für den Massenmarkt. Zweitens, wie bereits erwähnt, beim Verkauf von Fertig- und Halbfabrikaten. Drittens die Erlebbarkeit und Inszenierung der Holzwerkstoffe für Endkunden. Und viertens muss sich der Handel die Kernfrage stellen, warum er überhaupt heute existiert. Meines Erachtens ist jedes Handels-Unternehmen im Kern ein Logistik-Betrieb. Und Logistik ist und bleibt auch in der Zukunft von höchster Relevanz. Nochmals: Es wird für den Handel darum gehen Ressourcen-Pakete vorzuproduzieren für Just-in-Time Anwendungen auf der Baustelle. Aktuell kann man beobachten, dass der Handel und Zwischenhandel sich in praktisch allen Industrien fundamental verändert. Und das wird in den nächsten Jahren auch den Handel mit Holzwerkstoffen betreffen. Die grosse Herausforderung wird sein, die Endkunden-Daten zu gewinnen um seinen Bedarf zu erfassen und darauf abgestimmt Lösungen zu bieten. Wer diese Daten nicht hat, wird verlieren.

Betrifft dies nur den Neubau-Bereich und Grossprojekte?
Nein. Umbau und Renovation werden davon genau so betroffen sein. Und auch die Grösse des Projekts spielt keine Rolle.

In Zukunft geht es darum Online-Kontaktpunkte, stationärer Service und persönliche Beratung zu einem stimmigen Kundenerlebnis zu vereinen. Welche Rolle spielt die persönliche Beratung und wie äussert sie sich?
Nehmen wir Apple als Beispiel. Man informiert sich online und kann eigentlich das nötige Wissen für den Kaufentscheid digital beziehen. Das bedeutet für das persönliche Verkaufsgespräch im Shop, dass dieses für die beratende Person anspruchsvoller wird. Denn ich als Kunde erwarte vor Ort einen Mehrwert in der Form eines Marken-Erlebnisses. Der Verkaufspunkt wird somit zum «Place to be» welcher mir ein besonderes Erlebnis bieten soll. Das Produkt gibt mir den Grund für dieses Erlebnis, für welches ich bereit bin, Zeit zu investieren. Apple hat begriffen, dass jede virtuelle Welt auch eine reale Welt für das Markenerlebnis benötigt. Das kann ein Shop sein oder die Verbindung von Hardware wie der Apple-Watch mit Apps.

Was heisst das übertragen auf den Handel mit Holzwerkstoffen?
Hier erlaube ich mir auf meine Erfahrung als Partner von Conreal zurückzugreifen. Conreal Swiss AG ist ein Bau-Business-Ökossystem und Startup. Wir stellen dem Sanitär-Installateur alles Nötige für seine Wertschöpfung zur Verfügung, damit er auf der Baustelle effektiv und effizient Umsatz erzielen kann. Wir bieten ihm Visualisierungen und Offerten für die Beratung der Endkunden und wir unterstützen ihn mit einem Top-Showroom, wo er seine Kunden zur Beratung hinschicken kann. Diesen Endkunden-Kontakt nutzen wir mitunter um Daten zu gewinnen. Diese Daten erlauben uns bedürfnisorientierte Lösungen für Endkunden, also die Kunden des Sanitär-Installateurs, zu schaffen. Es geht hier also wieder um den Customer-to-Business-Gedanken. Einen ähnlichen Ansatz könnte auch der Holzwerkstoff-Handel prüfen mit dem Ziel, den Schreiner zu entlasten.

So weit so gut und einleuchtend. Aber Hand aufs Herz: Kann ein einzelnes Handels-Unternehmen dies Investitionen überhaupt allein stemmen, um innovativ am Markt zu agieren?
Allein wird das niemand schaffen. Wichtig ist, permanent in kleine Innovationsschritte zu investieren, anstatt zu lange zu warten, um dann den grossen entscheidenden Schritt machen zu wollen, der Unternehmen finanziell und organisatorisch überfordert. Für KMU ist es entscheidend, dass Investitionen dort getätigt werden, wo sie den Kunden und dem Unternehmen am meisten bringen. Wenn ein Einzelhändler denkt, er könne auch in Zukunft alle Herausforderungen allein stemmen, hat er früher oder später verloren. Ich bin überzeugt, dass nur Allianzen und keine Einzelkämpfer die Transformation meistern werden. Jedes Handels-Unternehmen sollte den Ansatz eines Business Ökosystems prüfen. Wie bereits erwähnt bin ich der Ansicht, dass die grossen «Gamechanger» von ausserhalb der Branche in den Handels-Markt drängen werden. Und das in der Form von Business Ökosystemen. Den Handels-Unternehmen mit Holzwerkstoffen empfehle ich daher die aktuell guten Zeiten zu nutzen, um zu innovieren und zielführend in neue Ideen von Business Ökosystem zu investieren. Es kommt darauf an, sich die richtigen Kooperationspartner zu suchen: Hersteller und Logistikunternehmen oder Dienstleister, aber auch originäre Wettbewerber. An dieser Stelle muss man vielleicht auch mal über seinen eigenen Schatten springen.

Ivo, herzlichen Dank für das Interview.

Ein Auszug aus der Projektliste von Ivo Lenherr finden Sie unter den folgenden Links:

https://www.fsp-architekten.ch/publikationen/#/all/baubroschure-kjpz-windisch-2024

https://www.fsp-architekten.ch/projekte/liste/#/all/kinder-u-jugendpsychiatrisches-zentrum-konigsfelden-1191

https://www.fsp-architekten.ch/projekte/liste/#/all/aufstockung-lokwerk-1913

HWS Innovationspreis 2022 – Bewerben Sie sich jetzt

Zum ersten Mal vergibt der HWS einen Branchen-Innovationspreis. Der HWS würdigt die Entwicklung und Umsetzung von Innovationen in den Bereichen Produkt- und Service-Innovationen, Prozess-Verfahrensinnovationen, Geschäftsmodelinnovation sowie Management- und Organisationsinnovationen. Weil Innovation Teamwork ist, richtet sich die Auszeichnung an Ihre im Innovationsprozess involvierten Mitarbeitenden.

Bewerben Sie sich jetzt mit Ihrem Team um den mit CHF 5'000 dotierten Preis. Weitere Informationen finden Sie hier.

In der Blogserie «HWS Innovation Impuls» werden Themen rund um das Thema Innovation im Holzwerkstoff-Handel beleuchtet. Mit dem Blick von aussen geben Experten zu spezifischen Themen Denkanstösse und Inspiration zur Weiterentwicklung der Branche.

Interview von André Fischer, Unternehmensentwicklung | Projektleiter HWS Innovationspreis 2022

«Die zukünftigen Mitbewerber für den Handel sind Business Ökosysteme aus anderen Branchen».

Ivo Lenherr ist Unternehmer und Innovator der Schweizer Bau- und Immobilienbranche der ersten Stunde. Als Architekt und Verwaltungsrat von verschiedenen Firmen und Startups setzt er sich mit dem digitalen Wandel und neuen Geschäftsmodellen auseinander. Ein besonderes Augenmerk legt er dabei auf die zukünftige Rolle des Handels. Zu seinen Kunden zählen sowohl KMU wie auch Tech-Giganten. Er hat bei der Realisierung zahlreicher Holzbau-Projekte mitgewirkt und bringt langjährige Erfahrung in der Verwendung von Holzwerkstoffen mit. Im Interview erklärt Ivo Lenherr, warum die aktuellen Geschäftsmodelle des Holzwerkstoff-Handels in der Zukunft sich wohl stark verändern müssen. Und er zeigt mögliche Wege auf, wie der Handel mit Business-Ökosystemen und weiteren neuen Lösungs-Ansätzen wettbewerbsfähig bleiben kann.

Ivo, du treibst die Transformation der Bau- und Immobilienbranche voran. Mit welchen Themen setzt du dich aktuell auseinander?
Im Kern geht es immer um disruptive Geschäftsmodelle. Wir beobachten permanent die Entwicklung in anderen Branchen und stellen uns die Frage, welche Auswirkungen diese auf die Baubranche haben könnten. Basierend auf Annahmen erstellen wir Zukunftsszenarien. Unser Fazit ist immer gleich: Die zentrale Frage lautet nicht ob sondern wann und wie sich Geschäftsmodelle aus anderen Branchen auch im Bau- und Immobiliensektor durchsetzen werden.

Wo ortest du die zentralen Treiber für die Geschäftsmodell-Innovation der Baubranche?
Disruptive Geschäftsmodelle vereinen Datengewinnung, Datenfilterung und Logistik. Dafür muss, ausgehend vom Kunden und seinem Verhalten, die ganze Wertschöpfungskette im Überblick behalten werden. Wir müssen in Zukunft fähig sein, Daten über die genauen Bedürfnisse der verschiedenen Anspruchsgruppen wie Nutzer, Auftraggeber und Eigentümer etc. gewinnen, um die daraus nötigen Schlüsse für ein erfolgreiches Projekt zu ziehen. Seitens Logistik muss beachtet werden, dass die Baustelle in der Zukunft zu dem Ort wird, wo Bauteile zusammengesetzt werden. Man spricht hier von «Assembling». Die Bauteile werden in der Form von Ressourcenpaketen vorgefertigt und auf der Baustelle verbaut. Das bedeutet, dass die Produktionsplanung stärker an Bedeutung gewinnen wird. Das ist ein Fakt. Umso erstaunlicher ist es, dass die Baubranche jedoch grossmehrheitlich gegenüber diesen Veränderungen die Augen verschliesst.

Die Baubranche verschläft also zukunftsweisende Trends.
Genauer gesagt befindet sich in einer Art Dämmerschlaf - einem tiefen schmerzfreien Entspannungszustand. Der Schmerz kommt erst beim Aufwachen.

Wo ortest du die Gründe dafür?
Die Baubranche boomt seit Jahren. Den Unternehmen geht es grösstenteils gut bis sehr gut. Es herrscht eine Scheinsicherheit, dass es immer so weiter geht und sich die Dinge nicht ändern werden. Das ist trügerisch und meines Erachtens fatal. Denn auch hocherfolgreiche und weltbekannte Unternehmen wie Nokia haben diesen Fehler bereits gemacht. Auch Nokia hat sich in falscher Sicherheit gewogen. Doch dann ging es schnell und innerhalb von wenigen Jahren waren sie von der Bildfläche praktisch verschwunden. Und dies hauptsächlich, weil das Management nicht realisiert, dass die neuen Mitbewerber von ausserhalb der Branche kommen. Und so kam es, dass Nokia Apple nicht auf dem Radar hatte. Danach ging es rasant bergab. Aus dieser und vielen ähnlichen Geschichten können wir heute lernen: Ich bin überzeugt, dass auch in der Baubranche die Mitbewerber von morgen von ausserhalb der Branche in den Markt drängen werden. Das können beispielsweise Technologie-Konzerne aus Asien oder Amerika sein.

Werfen wir einen Blick auf die zukünftigen Kunden der Baubranche. Die Generation Y und Z wird vermehrt auf Kundenseite die Rolle als Auftraggeber und Bauherr einnehmen. Was bedeutet dies für die Baubranche?
Die Generation Y und Z will, das man ihr zuhört und erwartet Lösungen, die genau zu ihrem Bedarf passen. Sie sind wissensbegierig und hinterfragen. Und sie wollen die Lösungen schnell haben. Das bedingt für die Unternehmen ein radikales Umdenken: Weg von der Angebots-Orientierung hin zur kundenzentrierten Bedarfs-Orientierung. Wir denken immer noch in Business-to-Business und Business-to-Customer Schemen. Stattdessen sollten wir ein Customer-to-Business-Denken etablieren.

Customer to Business für die Baubranche - was meinst du damit?
Eigentlich ist es simpel: Wir müssen lernen, die Nutzer der Immobilie genau zu beobachten und zuzuhören damit wir die Lösungen ausgehend von ihrem Bedarf entwickeln. Nur so werden wir ihre Erwartung verstehen. Bei fsp Architekten haben wir uns beispielsweise im Markt einen Namen für die Planung und Realisation von Bürowelten geschaffen. Ohne ein fundamentales Nutzen- und Kunden-Verständnis und die Bereitschaft den Bedarf des Kunden genau zu erfassen, würden wir niemals die Aufträge der Tech-Giganten oderinnovativen KMU's erhalten. In einem ersten Schritt sind Inspiration und Emotion gefragt. Dazu erstellen wir eine These und laden die Kunden proaktiv zum Dialog ein mit dem Ziel, die These zu hinterfragen und weiterzuentwickeln. Der Kunde wird in den Prozess involviert mit dem Ziel, eine gemeinsame Lösung zu kreieren. Wir versuchen die Sehnsucht für ein Thema zu wecken und zu inspirieren. Ausgehend vom Nutzverhalten. Wir denken und handeln also konsequent bedarfs- und nicht angebotsorientiert. Danach geht es darum, umgehend in Etappen zu planen und die Kunden für sie verständlich und sichtbar auf die Reise mitzunehmen. Steve Jobs hat immer gesagt, dass wenn die Sehnsucht hoch angesetzt wird, Projekte auch schneller umgesetzt werden. Dem kann ich aus eigener Erfahrung nur beipflichten.

Betrachten wir die Rolle des Handels mit Holzwerkstoffen in diesem Umfeld genauer. Hat dieser aus deiner Sicht in der heutigen Form noch eine Daseinsberechtigung?
Der Rohstoff Holz ist ein Baustoff mit Zukunft und steht für Nachhaltigkeit. Ich gehe deshalb davon aus, dass die Nachfrage noch mehr steigen wird. Das ist per se eine riesige Chance. Holzwerkstoffe bleiben besonders im boomenden Holzbau ein zentraler Bestandteil. Kommt dazu, dass Holzbau-Unternehmen mit Teilfertigungssystemen vertraut sind. Und genau hier bietet sich meines Erachtens für den Holzwerkstoff-Handel eine grosse Chance: Ich gehe davon aus, dass Holzbau-Unternehmen in der Zukunft vermehrt Basis-Konfigurationen vom Handel erwarten. Einfach eine gute Holzplatte zu verkaufen, wird nicht mehr reichen. Die gelieferten Materialien müssen fixfertig bereit für die Verbauung auf die Baustelle geliefert werden.

Die Auswirkung auf die Prozesse im Holzwerkstoff-Handel wäre enorm…
Das ist richtig. Die neuen Prozesse werden dazu führen, dass Produktionspläne mit den Ausführungsplänen verschmelzen. Dadurch wird der Aufwand beim Planer reduziert. Das wiederum bedeutet, dass der Holzbauer seine Planung ausweiten wird. Der Holzbauer gestaltet beispielsweise eine Holzplatte in einem digitalen Modell so aus, dass er sie selbst verarbeiten kann. Dabei wird er sich fragen müssen, ob er die Holzplatte selbst in der geforderten Qualität und zum geforderten Preis bauen kann oder ob er sie von einem Händler bezieht, welcher ein entsprechendes Fabrikationszentrum bietet, um die Platte vorgefertigt auf die Baustelle zu liefern. Ähnliche Entwicklungen gab es schon in anderen Industrien wie beispielsweise der Fensterbranche. Was machen Händler von Holzwerkstoffen selbst, welches System wird eingekauft? Der Handel muss seine bestehenden Geschäftsmodelle hinterfragen. Meines Erachtens wird es schwierig als reines Handels-Unternehmen zu überleben.

Über Ivo Lehner

Ivo Lenherr ist unteranderem Mitinhaber von fsp Architekten und sattlerpartner architekten + planer AG. Das Unternehmen zählt rund 60 Mitarbeitende. Zudem ist er Partner beim Business Ökosystem ConReal Swiss AG. Ivo Lenherr setzt sich intensiv mir zukünftigen Entwicklung des Handels im Kontext der Bau- und Immobilienbranche auseinander. Er hat bei der Realisierung zahlreicher Holzbau-Projekte mitgewirkt und bringt langjährige Erfahrung in der Verwendung von Holzwerkstoffen mit. .Ivo Lenherr stellt an sein Team und sich den Anspruch, mit viel Entdeckergeist und kindlicher Neugierde eine Vorreiter-Rolle rund um den digitalen Wandel in der Bau- und Immobilienbranche einzunehmen.

Freuen Sie sich auf den zweiten Teil des Interviews nächste Woche!

Geschätzte Mitglieder und Partner HWS


Gerne stellen wir Ihnen die frisch gewählten Vorstandsmitglieder und ihre Zuständigkeiten vor:

https://hwsschweiz.ch/verband/


Wir freuen uns, wenn wir weiterhin auf Sie als engagierter Mitglieder und starke Partner zählen dürfen!

Innerhalb kürzester Zeit hat sich der Holzmarkt von einem Käufer- zu einem Verkäufermarkt gewandelt. Europäische Händler sprechen von den akutesten Lieferproblemen, die sie je erlebt haben. Die Holzwerkstoffhändler in der Schweiz arbeiten weiterhin intensiv daran, den Markt bedienen zu können.

Innerhalb weniger Monate hat sich die Lage am Holzmarkt drastisch verschärft, so dass die Verarbeiter vorderhand mit längeren Lieferzeiten und höheren Preisen arbeiten müssen. An einer Online-Videokonferenz des Europäischen Holzhandelsverbandes, der European Timber Trade Federation (ETTF), an der auch der Verband Holzwerkstoffe Schweiz (HWS) teilnahm, bestätigte sich die globale Dimension des Marktdrucks. Ein Mitglied des niederländischen Holzhandelsverbandes sagte, dass er so etwas seit 35 Jahren nicht mehr erlebt habe.

Schweizer Markt zieht mit
Hauptgrund für diese Entwicklung ist die weltweit steigende Nachfrage nach dem Baustoff Holz, während an vielen Produktionsstandorten noch strikte Einschränkungen gelten oder die Produktion erst langsam hochgefahren wird. Insbesondere Käufer aus den USA und Asien decken sich mit grossen Mengen an Holz aus Europa ein. Verschärft wird die Lage in Asien durch das knappe An gebot an Frachtmöglichkeiten und entsprechend hohe Preise. So kostet ein Container aus China aktuell bis zu 10‘000 Franken, im Oktober letzten Jahres waren es noch rund 2‘000 Franken gewesen.
Die Preissteigerungen machen vor dem Schweizer Markt nicht Halt. So zeigt eine Stichprobenumfrage des HWS, dass die Preise der Produkte per 31. März 2021 im Vergleich zum 30. November 2020 auf breiter Front um durchschnittlich 10 bis 35% gestiegen sind; besonders spürbar bei OSB-Platten, Massivholz- und Mehrschichtplatten sowie Leim- und Konstruktionsholz.

Anspannung bleibt
Mit Blick auf die Zukunft ist man sich innerhalb der ETTF einig, dass die allgemeine Angebotssituation noch einige Monate lang angespannt bleiben wird. Weitere – auch kurzfristige – Preisanpassungen sind nicht ausgeschlossen. Die Schweizer Holzwerkstoffhändler arbeiten weiterhin intensiv daran die Nachfrage im Schweizer Markt decken zu können.

HWS
Radgasse 3
8005 Zürich
HWS HOLZWERKSTOFFE SCHWEIZ | FACHVERBAND DES HANDELS
DBS DERIVES DU BOIS SUISSE | ASSOCIATION PROFESSIONNELLE DU NEGOCE
MLS MATERIALI A BASE DI LEGNO IN SVIZZERA | ASSOCIAZIONE COMMERCIALE
Verband Holzwerkstoffe Schweiz (HWS) ©2021 / Design und Realisierung by FREI connect AG
linkedin facebook pinterest youtube rss twitter instagram facebook-blank rss-blank linkedin-blank pinterest youtube twitter instagram